Allererste quantenschäumende Weblese-Sahne #120
Nur Literatur dieses Mal: Suez to Singapore von Cecil Brown / Murderbot Diaries von Martha Wells / The Trees von Percival Everett
Dies wird eine ziemlich lese-lastige Ausgabe meines Newsletters. Unten sind Rezensionen von drei Büchern, die ich las. Und hier folgt ein alliteratives Gedicht mit dem Buchstaben Z, das mir neulich einfiel. Keine Angst, es ist keine Kunst:
Zwischenzeitlich zwangsläufig zerstreut,
zertrümmerte Zacharias zusammengenommen
zirka zweihundert Zahnersatzschienen.
Der meistgelesene von mir verlinkte Artikel im letzten Newsletter war mein Bericht meines Theaterbesuchs bei Gott ist nicht schüchtern im BE. Den hat genau eine Person angeklickt. Wahrscheinlich war ich das selber, als ich diesen Newsletter zur Probe las.
Was Feedback angeht, liebe Leser:innen, bin ich das Gegenteil von Trump und Putin. Ich werde niemanden von euch hinrichten lassen, wenn er/sie/es mal einen Kommentar hinterlässt. Ick schwöre!
Viel Spaß beim LESEN1 wünscht eure Internetgranate Gregor
Suez to Singapore von Cecil Brown gelesen
Über dieses Buch eines amerikanischen Kriegsberichterstatters bin ich bei der Lektüre der Biographie eines berühmten japanischen Zerstörerkapitäns aufmerksam geworden. Er sagte, daß in diesem Buch der Untergang der HMS Repulse im Dezember 1941 (zusammen mit der HMS Prince of Wales) geschildert werde. Als ich mir das Buch gebraucht beschaffte, erhielt ich eine wunderbar in Leinen gebundene Erstausgabe aus dem Jahre 1942. Beim Lesen, das ich ja manchmal während meiner Spaziergänge von und zur Arbeit erledige, halte ich also ein Buch in den Händen, das noch viel älter als ick selber ist.

Meine Rezension auf denkpass.de ist in deutsch, obwohl das Buch englisch verfasst ist. Hier ein paar Auszüge:
Wie in Suez/Ägypten versucht jedoch auch in Singapore die britische Zensur, Brown daran zu hindern, zuviel zu berichten. Er hat, so schreibt er, mit den Briten mehr Ärger als mit italienischen Faschisten - die aber Gegner waren, nicht Alliierte. Die Zensur möchte nicht, daß Brown zu negativ über die Lage in Singapur berichtet. Brown soll aber zugleich dafür sorgen, daß die USA endlich in den Krieg eintritt. Also soll er schreiben, daß Großbritannien Hilfe braucht, aber zugleich soll Großbritannien dabei stark aussehen. Kritik ist nicht erwünscht, weil sie die Kommandierenden schlecht aussehen läßt. Man sagt Brown aber auch, solche in den Medien kolportierte Schwäche ziehe japanische Angriffe nach sich. Das ist natürlich Quatsch, denn Japan unterhält ein exzellentes Spionagenetzwerk und richtet sich bei der Auswahl der eigenen Angriffsziele nach dessen Informationen, nicht nach der internationalen Presse.
Und weiter:
Die HMS Repulse war übrigens seit Kriegsbeginn 53.000 km unterwegs ohne Feindberührung: ihr erster Kontakt im 2. Weltkrieg führte zu ihrem Untergang. Dies ist eine der Lehren des 2. Weltkriegs: große Schiffe brauchen Luftunterstützung und sind selbst dann oft hilflos. Es wäre besser, statt eines Schlachtschiffs dreißig Zerstörer zu bauen (übrigens die selbe schmerzliche Erkenntnis für den eingangs erwähnten Taimechi Hara: der kommandierte fast den gesamten Krieg Zerstörer, bis er kurz vor Schluß als Kommandant eines Schweren Kreuzers völlig hoffnungslos versenkt wurde. Auch die Japaner haben auf riesige, propagandafreundliche Schlachtschiffe wie die Yamato gesetzt, deren Zeit ohne Luftunterstützung vorbei war).
Ich habe herausgefunden, daß ich Tagebücher mag. Menschen, die Tagebuch schreiben, schreiben viel und lernen dadurch, besser zu schreiben. Sie beobachten viel und denken darüber nach, um was zu schreiben zu haben, aber auch, weil schreiben eine spezielle Form des Denkens ist. Das macht Tagebücher so interessant, finde ich. Dazu kommt das Flair oft untergegangener Welten und Zeiten, wie in diesem Fall.
Reading the Murderbot Diaries by Martha Wells
Ich hab die ersten beiden Teile der Murderbot Diaries von Martha Wells gelesen, All Systems Red und Artificial Condition. Meinen Review dazu findet ihr, wenn ihr dem Link in der Überschrift folgt. Was immer ich lese, könnt ihr übrigens jederzeit in meinem Profil auf Bookrastinating.com sehen. Hier zwei Auszüge aus meinen Notizen (der Artikel auf denkpass.de ist diesmal auf englisch):
What’s funny is that these AIs are supposedly superintelligent, yet they behave like small kids. This is what makes them also human or relatable in my eyes. But would artificial intelligences even pay attention to humans? We’ll see why the murderbot (and the ship AI) do, but this is almost all that makes me read these books (or Iain Banks’ Culture series, which is also heavy on AI, or Anne Leckies Radj series): because the AIs want to understand humans, they observe them so much. And find out something that we humans don’t observe consciously (but most of the time subconsciously).
[..]
Martha Wells was aware of this human centred storytelling with often the only reason being that we human readers are so much interested in ourselves, not actually in any artifical intelligences. We want the AIs to focus on us, because we only focus on us as well.
The Trees by Percival Everett
Das beste Buch der letzten Zeit ist von Percival Everett. Es geht in diesem Roman um Lynchmorde in den USA. Diese werden im Buch umgekehrt, nun sterben “good White Christians” brutal. Das Buch ist aber trotzdem wirklich lustig und extrem spannend geschrieben - ich denke, um sicherzustellen, daß es gelesen wird. Hier ein Auszug meiner kurzen Rezension auf Bookrastinating.com:
I find it important to remember this topic: lynchings, by white men, on no reason whatsoever, like with Emmitt Till, 14 years, who supposedly has said "Hi" to a white woman in Money, Mississippi, and was killed, slaughtered, mutilated, shot. His face was mutilated so much he wasn't recognizable anymore (s. Wikipedia for a picture of this by scrolling down to his funeral: en.wikipedia.org/wiki/Emmett_Till). The white woman later recanted her story, but did not suffer any consequences. Tills murders were acquitted by a white jury.

Kaum kommentierte Links:
Tyrannosaurus Rex hatte Lippen, wenn auch schuppige, stellt sich raus. Konnte also theoretisch auch durchaus knutschen. Waren ja beide Fleischfresser, sie und er, also hat der verwesende Gestank so ohne Zahnebürste und so vielleicht nierexen2 abgeschreckt.
Jemand hat ein Kompositbild der Sonne mit 140 Megapixeln zusammengebastelt. Darauf ist u.a. ein Sonnentornado zu sehen, der 14 Erdendurchmesser hoch ist.
Also, das ist mir zu neoliberal: The Bitcoin Whitepaper Is Hidden in Every Modern Copy of macOS (hab’s überprüft und es ist so)
Ist in diesem Fall doppeldeutig jemeint, bezogen auf Newsletter und die erwähnten Bücher. Ick erklär diesen Grübelwitz lieber, bevor ick selber vajesse, wat ick jemeint habe.
Niemand bezieht sich deutlich auf Menschen, würde ich sagen. Überlegt mal, unsere liebsten DJs Keiner & Niemand, die ja immer da waren, wenn folgendes ausgesagt wird: “Keiner hat aufgelegt und niemand hat jetanzt”. Denkt da jemand an T-Rexe, die da dancen?


I see your Sun picture and raise it with neutrinos:
https://www.reddit.com/r/interestingasfuck/comments/pxs5ho/this_photo_of_the_sun_might_not_look_too/?utm_source=share&utm_medium=ios_app&utm_name=ioscss&utm_content=1&utm_term=1