Allererste quantenschäumende Weblese-Sahne #123
Polarnacht in Bildern / Was uns Mönche beim Fokus voraus haben / Was ich zwischenzeitlich so gelesen habe (9 Bücher) / Links
Polar Night (by brr)
Diese Foto-Blogposts eines Wissenschaftlers in der Antarktis habe ich schon paar Mal geteilt, glaube ich. Hier nun Bilder, wie es in der langen arktischen Nacht aussieht. Weil die da in eben jener monatelangen Finsternis viele Experimente machen, wo Licht nur stört, sind alle Lampen in ihren Forschungsstationen rot. Und das erzeugt eine krasse Stimmung in den Bildern, die an Das Ding aus einer anderen Welt (original The Thing) von John Carpenter erinnern.
Wer macht mit, sich für so einen Job zu bewerben? Die brauchen da nicht nur Wissenschaftler:innen, die brauchen auch ein paar andere Typen. Ick kann jut kochen und bin ziemlich witzig, denk ick mir selber so. Das sind doch Eigenschaften, die antarktis-freundlich sein sollten. Und wir nehmen ein Rollenspiel mit, AD&D oder sowas. Denn bei mehreren Monaten Dunkelheit und roten Lampen kommen wir da echt vorwärts.
There’s a lot of lore about the harsh “8 months of winter” here at Pole.
It’s true that we’re isolated for 8 months. There are no flights, in or out, from mid-February until mid-October, mostly because of the extreme cold and the sheer logistical difficulty of sustaining flight operations. I talked about this a lot more in Last Flight Out.
But we only have about 40 days of true, absolute darkness!
Nur 40 Tage reinste Finsternis! Und danach, beim ersten Sonnenschein, laut brüllend nackt übers Eis flitzen, Endorphine frei setzen! Ick seh det allet vor mir!
What Monks Can Teach Us About Paying Attention (by Casey Cap, New Yorker)
Rezension eines Buchs einer amerikanischen Professorin (Jamie Kreiner) darüber, wie weltweit Mönche (aller Religionen) versuchten, sich zu fokussieren und daran regelmässig scheiterten. Was sie aber besser lösten als wir, die wir heute ebenso mit unserem Fokus scheitern, ist dass sie wenigstens wussten, worüber sie so fokussiert nachdenken wollten (im Unterschied zu uns):
Perhaps that is why so many of us have half-done tasks on our to-do lists and half-read books on our bedside tables, scroll through Instagram while simultaneously semi-watching Netflix, and swipe between apps and tabs endlessly, from when we first open our eyes until we finally fall asleep. One uncomfortable explanation for why so many aspects of modern life corrode our attention is that they do not merit it. The problem for those of us who don’t live in monasteries but hope to make good use of our days is figuring out what might. That is the real contribution of “The Wandering Mind”: it moves beyond the question of why the mind wanders to the more difficult, more beautiful question of where it should rest.
Welche Bücher ich in der Zwischenzeit gelesen und kommentiert habe
Naika Foroutan und Jana Hensel: Die Gesellschaft der Anderen: wirklich wichtiges Buch für die bundesdeutsche Mehrheitsgesellschaft, denn hier drin wird ihr scheinheiliger und Umgang mit Minderheiten thematisiert, der der Mehrheit ihren Platz an der Sonne sichert
Garth Ennis und Darrick Robertson: The Boys 1 und The Boys 2: Comics, aber wirklich gute. Lustig, gewalttätig und voller sexuellem Wahnsinn. Superhelden haben totale Macht. Macht aber schafft Korruption. Absolute Macht, so sagte jemand in einem Batman-Comic, schaffe demzufolge absolute Korruption. Dem entgegen zu treten, haben sich The Boys zusammengetan.
Wolfgang Koeppen - Das Treibhaus: Wichtiger Roman der Nachkriegszeit, in dem Koeppen sich Gedanken über die junge Demokratie macht. Diese Gedanken sind prophetisch und schauen sehr tief hinein in unsere Bundesrepublik.
Peter Watts - Blindsight: einer meiner liebsten SciFi-Romane aller Zeiten. Habe ich aber vor ca. 10 Jahren gelesen, daher diese knappe Rezension nur.
Jamie Sawyer - Eternity War Book One Pariah: knallharte SciFi-Action mit viel Kloppe und Geballer.
James Kestrel - Fünf Winter: Wirklich kurzweiliger, wenn auch geradliniger Krimi im Pazifik des 2. Weltkriegs. Hat auch mehrere Preise gewonnen.
E.H. Gombrich - Die Geschichte der Kunst: Nur ein Kommentar darüber, was Papst Gregor der Große (u.a.) tat, um Gregor der Große zu werden. Ist ja für mich zumindest teilweise interessant.
Wassili Golowanow - Die Insel oder Rechtfertigung des sinnlosen Reisens: Nur ein Kommentar über imperiales/nicht-imperiales Lesen von Robinson Crusoe.
Kaum kommentierte Links
New York sinkt (Spektrum der Wissenschaft), aber weniger wegen Klimawandel und Meeresspiegel als wegen zu schwerer Häuser und Einwohner.
Sehr schönes Unterwasserfoto eines Fisches (Hakai Magazine, der Schatten unter einer Staatsqualle (Porpita porpita) sucht.
What the January 6th Report Is Missing (New Yorker Magazine): geschrieben von Jill Lepore für The New Yorker, die Harvard-Professorin für Geschichte ist und sehr gut schreibt. Hier erfahren wir etwas über die Historie solcher Kommittees, was der aktuelle Bericht verkackt, was wirklich passiert ist und mehr.
A decade under Erdogan’s shadow (The Atlantic): Bilder von Erdogans Jahrzehnt an der Macht

