Allererste quantenschäumende Weblese-Sahne #119
Theaterbesuch im Berliner Ensemble bei Gott ist nicht schüchtern / Warum unsere KIs so dusslig wie Silicon Valley sind / ... und trotzdem das Internet abschalten werden
Normalerweise schreibe ich hier eine Einleitung. Heute finde ich kaum Kraft dafür. In sozialen Medien feiern sich die Sieger des gestrigen Volksentscheids in Berlin, wie sehr sie die Klimakleber und grünen Weltverbesserer verarscht haben. Aber niemand will es kapieren: ihr habt nicht die eine oder die andere Seite verarscht. Wir haben uns alle verarscht. Es ist unsere Zukunft, die jetzt schlechter wird, nicht meine oder deine.
Der AR6 Synthesis Report: Climate Change 2023 des IPCC ist vor Kurzem erschienen und seine Aussagen sind eindeutig: wir haben nur sehr wenig Zeit, um die durchschnittliche Erwärmung der Erdatmosphäre auf unter 2° Celsius zu begrenzen. Wir haben ganz sicher keine 22 Jahre Zeit, so wie Berlin das eigentlich umsetzen will. Und wenn wir das nicht hinkriegen, nehmen Extrem-Wetterereignisse zu, wird Wasser weltweit knapp werden, werden wir es nicht mehr schaffen, uns alle zu ernähren usw. und so fort.
Und wir stufen Maßnahmen, um das zu verringern oder zu vermeiden, als Freiheitsberaubung ein. Diese Gesellschaft lacht nun höhnisch, weil sie diesen Angriff auf ihre individuelle Verdrängung und Faulheit abgewehrt hat.
Tja. Also weiter kämpfen gegen Ignoranz, Faulheit, Verdrängung der eigenen Schuld. Immerhin, mehr als 440.000 Berliner haben bereits verstanden, worum es geht. Immerhin! In unserer kleinen Gemeinde wohnen also doch nicht nur Vollidioten!
Viel Spaß beim Lesen wünscht euch eure korrupte Internet-Banane Gregor
(die keine eigene Meinung zum Klima hat, sondern wirklich nur allen Vorschriften machen will und für diese Polemik hier richtig viel Kohle kassiert …. uuuaaaaaaaaahhhhhahaaaahhahhaha)
Theaterbesuch: Gott ist nicht schüchtern im BE
Neulich im Theater gewesen und Gott ist nicht schüchtern geschaut. Und weil mir das so gut gefallen hat, habe ich einiges drüber geschrieben. Ihr findet meinen Text auf Denkpass.de, wenn ihr auf die Überschrift klickt.

Hier ein paar Auszüge meiner Beobachtungen:
Was ich an Theater mag, ist ohnehin, daß jedes Stück live, authentisch, auf diese Art nur dieses eine Mal aufgeführt wird. [ .. ] Das ist in Fernsehen, Streaming und Kino anders: einmal produziert, kann eine Produktion endlos wiedergegeben werden, ist aber immer genau gleich. Theater entspricht also einem Ölgemälde, das es so nur einmal gibt, und ein Film ist sowas wie ein Foto, beinahe beliebig oft reproduzierbar.
Aber ich denke, auch das muß geübt werden: diese Blicke lange zu ertragen, von Fremden. Das hier ist vielleicht auch wieder als Allegorie zu verstehen: zu diesem Zeitpunkt im Stück zieht Amal bereits das Interesse des Geheimdienstes auf sich, starre, unerwünschte, lange Blicke von sehr ernsten, oft älteren Männern.
Theater muß politisch sein: dieses Stück ist es. Theater soll manchmal laut sein, aggressiv: Häkchen, aber ohne das ich Lärm (als die Plakatwand zerstört wurde) als störend empfand. [..] Am meisten haben mir Cynthia Micas und Oliver Kraushaar gefallen: Micas wegen ihrer Intensität und ihrer Gesangseinlage, Kraushaar wegen seiner Ironie als Geheimdienstler und seiner Verzweiflung als Vater.
Silicon Valley Is Turning Into Its Own Worst Fear
Dieser Artikel über “künstliche Intelligenz” ist von Ted Chiang, einem sehr guten SciFi-Kurzgeschichtenschreiber.
Der Begriff “künstliche Intelligenz” ist nicht passend, denn er suggeriert eine allgemeine Intelligenz wo nur ein Mustererkennungs-Algorithmus ist und steht daher in Klammern. Cory Doctorow zitiert dazu einen italienischen Kongressabgeordneten, der vorschlägt, statt AI ( ➜ artifical intelligence) zu sagen SALAMI ( ➜ Systematic Approaches to Learning Algorithms and Machine Inferences). Wie leicht würden wir dann den folgenden Satz glauben und allen zuhören, die ihn sagen:
It’s a lot easier to keep a clear head when someone asks you, “Is this SALAMI intelligent? Can this SALAMI write a novel? Does this SALAMI deserve human rights?”

Zurück zu Ted Chiang und seinem Artikel. Chiang weist darauf hin, daß Elon Musk davor warnt, daß KI / AI die Menschheit bedrohen könnte. Da ist Elon ganz stolz drauf, wie er sich um die Zukunft der Menschheit sorgt, und erklärt das mit folgendem Beispiel:
Speaking to Maureen Dowd for a Vanity Fair article published in April, Musk gave an example of an artificial intelligence that’s given the task of picking strawberries. It seems harmless enough, but as the AI redesigns itself to be more effective, it might decide that the best way to maximize its output would be to destroy civilization and convert the entire surface of the Earth into strawberry fields. Thus, in its pursuit of a seemingly innocuous goal, an AI could bring about the extinction of humanity purely as an unintended side effect.
Ted Chiang fragt sich nun zu Recht, ob das wirklich nach einer superintelligenten KI klingt oder nicht eher nach einer völlig verblödeten Idiotie. Und Chiang stellt fest, dass ebensolche idiotischen Verhaltensweisen bereits heute vom Silicon Valley gezeigt werden:
Consider: Who pursues their goals with monomaniacal focus, oblivious to the possibility of negative consequences? Who adopts a scorched-earth approach to increasing market share? This hypothetical strawberry-picking AI does what every tech startup wishes it could do — grows at an exponential rate and destroys its competitors until it’s achieved an absolute monopoly.
Maschinen, die völlig ohne Einsicht stur das Falsche tun, kennen wir bereits, so Chiang. Unser Name dafür: Corporations (große Firmen). Sie verscheuern und verscheuern und verscheuern, bis der letzte Wald abgeholzt, der letzte Fluß vergiftet, das letzte Eis geschmolzen ist - und niemand mehr da sein wird zum Verkaufen, Kaufen, Gewinne ausgeben, Gehälter kassieren o.ä.
Was wir brauchen, ist wohl weniger eine Ethik für KI als eine Ethik fürs Silicon Valley und für kalifornische Riesen-Startups. Dieses Ängste-Schüren vor unethischen KIs, die uns ausrotten, soll uns ablenken von unethischen Riesenfirmen aus dem Silicon Valley, die uns ausrotten. Das vermutet Ted Chiang als Grund.
The Library of Blather
Lincoln Michel vergleicht aktuelle KIs (Chat-GPT etc.) mit einem Text von Jorge Luis Borges, einem der bekanntesten Schriftsteller des magischen Realismus. In diesem Text gibt es eine Bibliothek mit Texten von zufällig auf Schreibmaschinen vor sich hin tippenden Affen. Die meisten dieser Texte sind völlig sinnlos, aber es mag krasse Meisterwerke unter ihnen geben, so Borges.

Michel hat Angst vor einem Internet voller KI-Texte, von dem aber alle Tech Bros grade feuchte Träume haben. Michel befürchtet zu Recht, daß das Internet als Wissensspeicher dann sinnlos wird wie Borges’ Bibliothek und wir uns wieder mehr in spezielle, von Menschen gepflegte soziale Netze zurück ziehen:
When social media sites are filled with nothing except bots, spam, and trolls, we log off. When Google search is clogged with ChatGPT articles, we stop searching the whole internet altogether. I’m not predicting any kind of utopia or return to an idyllic state of nature. We won’t log off entirely. But the internet might increasingly look like a version of what it was before the social media age. A return to separate and selective communities. Reading trustworthy sources of information instead of whatever Uncle Bob posts from PatriotTruthLibertyNews.net. Closer communities. Deeper conversations.
Wie zum Beispiel Newsletter auf Substack, bei denen man Kommentare hinterlässt. Ick sach ja nur. Und damit mein ick nich, det ick hier in der Jeschichte Uncle Bob bin. Damit mein ick die Kommentare.
Kaum kommentierte Links
Wenn Muslime täglich Hass erfahren: Nicht nur beim Bau einer Moschee in Erfurt, der ersten in neuen Bundesländern außerhalb Berlins, sondern auch sonst erfahren Muslime täglich und überall Beleidigungen, Herabsetzungen und Diskriminierung, schreibt Christoph Strack auf Qantare.de.
Cruise Ship Invasion in Seattle: Interaktive Story mit viel Video und wenig zu lesen, die zeigt, wie sehr Scheiße für die Natur Kreuzfahrtschiffe sind: Abwasser inkl. Kacke und Keime, chemische Abgasreinigungsmittel, Feinpartikelbelastung der Orte, wo man ankert, lauter bekloppte Touri-Idiot:innen, die kleine, idyllisch gelegene Orte überschwemmen usw. Pardon my french.
Did the Oscar-Winning Director Asghar Farhadi Steal Ideas? Der Oskar-prämierte iranische Regisseur Asghar Farhadi klaut anscheinend gerne Ideen von anderen. Sollten die Beklauten sich dazu äußern, lässt er sie seine Macht spüren. Und dabei hat dieser Vollidiot sich auch mit Golshifteh Farahani (aus “About Elly”, und bei Apple TV-Serie “Invasion”) verstritten: kann er nicht richtig kieken?

